Warum Muhammad?

Discussion in 'Deutsch - German' started by ibn azem, Aug 3, 2007.

  1. ibn azem
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    ibn azem Super Moderator Staff Member

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    salam alaykum
    Warum Muhammad?
    Vorwort
    Allahs Ratschlüsse sind unerforschlich. Gleichwohl schickt es sich nicht nur für Orientalisten, sondern auch für uns Muslime - zumal in der Nacht des Schicksals (Lailat al-Quadr) - darüber nachzusinnen, warum Allah (der Erhabene) ausgerechnet Muhammad (Allahs Segen und Frieden auf Ihm), ausgerechnet in Arabien, ausgerechnet im 7. nachchristlichen Jahrhundert als Übermittler seiner letzten Offenbarung - und dies in arabischer Sprache - erwählt hat.
    Gute Gründe
    Dafür gab es aus menschlicher Sicht folgende gute Gründe:
    a) Im 7. Jahrhundert lag Arabien außerhalb des Machtbereichs der beiden regionalen Hegemonialmächte, des Byzantinischen und des Persischen Reiches. Das christliche (ost-) römische Reich des Heraclius I. lag im Kampf mit dem sassanidischen Reich des Schahs Chosrau II. Parwez, in dem die dualistische parsische Religion - Zoroastrismus bzw. Mazdaismus - einen Höhepunkt erlebte.

    Es liegt auf der Hand, dass der Islam als eine als neu empfundene, gemeinschaftsbildende Religion in beiden Reichen wegen seiner Gefährdung der herrschenden Staatsreligionen von Amts wegen vertilgt worden wäre. Nur im abgelegenen Hidschaz konnte sich ein neues ideologisches Staatswesen im Windschatten der damaligen Weltpolitik konsolidieren, bevor eine der beiden Regionalmächte eingreifen konnte.
    b) Dennoch besaß Arabien zur gesamten damals bekannten übrigen Welt eine geo-strategisch zentrale Lage, ähnlich weit entfernt von Marokko und Irland wie von China und Japan: eine für die bald einsetzende Expansion des Islam ungemein günstige geographische Position.
    c) Zum damaligen Zeitpunkt waren die Verkehrssprachen - römisch, griechisch, farsi, hebräisch - als Medien der vorausgegangenen Offenbarungen derart mit ihnen verwoben, dass die neue, eine dogmatische Wende herbeiführende qur'anische Botschaft einer theologisch-philosophisch jungfräulichen Sprache bedurfte. Was dies bedeutet, merken wir noch heute, wenn Orientalisten bei ihrer Übersetzung oder Auslegung des Qur'an darin immer wieder Begriffe wie "Logos", "Heiliger Geist", "Erlösung", "Heiliger Krieg" etc. entdecken, die sie aus ihrem christlich geprägten Hintergrund unwillkürlich hineingelegt hatten.
    d) Im übrigen hatte sich das quraische Arabisch zu einer Hochsprache entwickelt, die jeder sagbaren, noch so abstrakten verbalen Botschaft als Medium gewachsen war.
    e) Schließlich machte auch der Zeitpunkt der qur'anischen Offenbarung aus unserer beschränkten menschlichen Sicht eminent viel Sinn, denn im 5. Jahrhundert war überdeutlich klar geworden, dass weder die Christen, noch die inzwischen über alle Welt verstreuten Juden aus eigener Einsicht in der Lage sein würden, die Verfälschungen ihrer Offenbarungsbotschaften zu korrigieren. Seit Justinian I. hatte sich in Byzanz der Cäsaropapismus voll durchgesetzt. Das römische Recht war im Corpus Juris kodifiziert worden (534).

    Ähnlich war es der Christologie ergangen. Die judenchristliche Auffassung von Jesus als ein jüdischer P r o p h e t wie andere vor ihm und der darauf fußende Arianismus waren zugunsten einer Jesus vergöttlichenden Dogmatik verdrängt worden. Das 1. Konzil von Nizäa (325) hatte die Gottesnatur Jesu mit der Formel festgeschrieben, dass Christus "gezeugt und nicht geschaffen" sowie mit Gottvater "wesensgleich" (consubstantiell) sei.

    An eine Korrektur dieser schicksalsschweren Entscheidung war auf Jahrhunderte nicht zu denken. Im Gegenteil, diese bereits extreme Christologie musste in den folgenden Jahrhunderten gegen eine noch extremere, die monophysitische Auffassung der Nestorianer, wonach Jesus n u r Gott (mit einem Scheinleib) war, verteidigt werden. Das 3. ökumenische Konzil von Ephesus (431) und noch das fünfte von Konstantinopel (553) dienten der Abwehr des Nestorianismus.

    Wie gesagt, unter diesen deprimierenden Umständen war an eine Restaurierung des ibrahimischen Monotheismus ohne wenn und aber aus dem christlichen Lager selbst nicht zu denken. Die Botschaft dafür konnte nur und musste daher von Außen kommen: aus Arabien. Von einem arabischen Propheten, der kein Neuerer, sondern ein Wiederhersteller der Religion Allahs war (46: 9).

    Museum in Nizäa
    Was ist von Nizäa geblieben ?
    Das verhängnisvolle Konzil von Nizäa, das der arianischen Mehrheit der damaligen Christen den Glauben an den Gottmenschen Jesus vorschrieb, liegt nun 1670 Sonnenjahre zurück.

    Einen großen Teil dieser Zeit verbrachten katholische und später auch evangelische Theologen damit, das verordnete Dogma von der Inkarnation Gottes bzw. seiner "Dreifaltigkeit" theoretisch zu verarbeiten. Sie scheiterten immer wieder an dieser unlösbaren Aufgabe und flüchteten sich daher in das Argument, dass es sich um "Mysterien" handele. Dabei wurde verdrängt, dass man derartige Mysterien nur annehmen dürfte, wenn es dafür in authentisch bezeugten Äußerungen Jesu einen Anhaltspunkt gäbe, und dass dies nicht der Fall ist.

    In der Tat haben diese "Mysterien" ihr Fundament nicht in Äußerungen Jesu über sich, sondern im fraglichen Konzilsentscheid, der im übrigen pikanterweise unter Vorsitz und politischem Druck eines heidnischen Kaisers und seiner Familienclique in Nizäa zustande gekommen war.
    Die islamische Seite
    Die islamische Seite hielt über die Jahrhunderte hinweg eisern an ihrer Christologie fest. Selbst muslimische "Modernisten" und "Kulturmuslime" - von Ali Abderraziq, Muammar al-Qaddafi und Muhammad Said Al-Ashmawi bis hin zu Farag Foda, Mohamed Arkoun und Bassam Tibi - rühren an e i n e m nicht: der qur'anischen Korrektur des christlichen Jesusbilds. Für uns Muslime blieb Jesus:

    - wie Adam g e s c h a f f e n und nicht gezeugt (3:47, 59:91; 112:3),

    - geboren von einer Jungrau (3:47),

    - ein Bestätiger der vorausgegangenen Offenbarungen (3:50),

    - ein wundertätiger (5:110) Prophet wie die anderen Rechtschaffenen vor ihm (2:136; 3:84, 6:85),

    - keine von drei göttlichen Personen (4:171; 5:73),

    dass es eine Ungeheuerlichkeit ist zu sagen "Allah hat sich einen Sohn genommen" (18:4 f.; 19:88 f.) wurde in den letzten zweihundert Jahren auch der christlichen Welt bewusst. Ja, dass sie heute von so viel Agnostizismus, Atheismus, Kirchenentfremdung und Flucht in esoterische Religionen geprägt ist - von der Anthroposophie bis zum feministisch-matriarchalischen Göttinnenkult und Buddhismus - hat viel mit dem Glaubwürdigkeitsverlust der orthodoxen nizäischen Christologie zu tun.
    Vor allem während der letzten 60 Jahre kam es zu erstaunlichen Versuchen einer theologischen Neuinterpretation des Status von Jesus, für die hier die Namen der evangelischen Theologen Karl Barth (+ 1968) und Rudolf Bultmann (+ 1976) sowie des Jesuitenprofessors Karl Rahner stehen mögen.

    Für Barth bereits war Jesus nur noch der von Gott "erwählte Mensch" - so gewaltig dieser Status ist. Bultmann ging dem Neuen Testament mit seiner historisch-kritischen Methode entmythologisierend so zu Leibe, dass sich ihm die Erkenntnis aufdrängte, dass eine Rekonstruktion der wahren Biographie Jesus wegen der Entstehungsumstände der Evangelien ein Ding der Unmöglichkeit ist.

    Rahner schließlich vollführte intellektuelle Kapriolen, um zwar hinter Nizäa zurückzugehen, aber doch seinen Kinderglauben nicht zu verraten.

    In seinem Aufsatz "Probleme der Christologie heute" kam er beim Neudurchdenken der Inkarnationslehre zu einer Definition des genuinen Menschseins von Jesus. "Wer zum Beispiel sagen würde: "Jesus ist der Mensch, der die einmalige absolute Selbsthingabe an Gott lebt", konnte damit das Wesen Christi durchaus richtig in seiner Tiefe ausgesagt haben..."

    Nach Rahner ist göttliche "Inkarnation" in menschliches Leben eine allgemeine menschliche Möglichkeit und Jesus nur das einzigartig vollkommene Beispiel einer solchen Inspiration.

    Doch der selbe Rahner schrieb auch die Ungeheuerlichkeit: "Nur bei Gott ist es überhaupt denkbar, dass er selber die Unterschiedlichkeit zu sich selbst konstituieren kann.""

    Diese Kapriolen mögen zum Nachweis dafür genügen, dass die Christologie in der christlichen Welt in eine tiefe Krise geraten ist, für die auch die Schalmeien eines Drewermann letztlich nur ein Symptom sind.

    "Wahrlich, jene, denen das Buch nach ihnen als Erbe gegeben wurde, befinden sich in tiefem Zweifel darüber" (Sura 42 - Vers 14).
    Gegenthesen zur orthodoxen Position
    In dieser Krise opfern katholische wie evangelische Theologen immer mehr Terrain und lassen immer mehr Leine. So werden heute im christlichen Lager vor allem folgende Gegenthesen zur orthodoxen Position vertreten:
    - der Jesus der Evangelien ist keine historische Erscheinung gewesen;

    - Jesus ist ein von Gott inspirierter, vorbildlicher Mensch gewesen, von Gott "erwählt", aber nicht wesensgleich mit Ihm, und auch nicht vom Tode auferstanden (Gerd Lüdemann);

    - Tugenden und Laster sind in allen Religionen gleichmäßig verteilt; sie sind lediglich verschiedene Wahrnehmungen des Gleichen.
    Die erste dieser Richtungen hat zu einer Flucht in die Hilfskonstruktionen des "kosmologischen Jesus" geführt. Der ehemalige amerikanische Dominikaner Matthew Fox fordert diesen (weiteren) Paradigmenwechsel, als ob eine solche kosmische Jesus-Mystik ohne einen historischen Jesus lebensfähig wäre. Der amerikanische Religionswissenschaftler John Hick sagte daher m. E. zu recht, dass die neuerdings fingierte über-historische Jesus-Figur letztlich nur noch eine Chiffre für das Transzendentale schlechthin ist.

    Die zweite Richtung bemüht sich krampfhaft, ihrem entmythologisierten Jesus immer noch eine Vorrangstellung vor allen anderen Propheten zuzuschreiben; denn nur dies unterscheidet ihre Christologie noch von der islamischen. Dies geschieht seit dem II. Vatikanum nicht mehr in Form des Exklusivismus ("Außerhalb der Kirche kein Heil!"), sondern nunmehr in Form des inklusivismus ("Alle Menschen sind von Jesus erlöst, ob sie es wissen oder nicht!") Nach dieser Form der theologischen Vereinnahmung sind wir Muslime "anonyme Christen" ... Daran ist allerdings eines richtig: Wenn man als Muslim mit Fassungslosigkeit die Demontage von Jesus und seiner Mutter von Leuten wie Uta Ranke-Heinemann beobachtet, muss man schließen, dass es heute vor allem Muslime sind, welche die Erhabenheit dieser beiden von Gott erwählten Menschen bejahen.
    Die dritte der oben erwähnten Richtungen spricht mit dem evangelischen Theologen Paul Schwarzenau und John Hick bereits unverhohlen von der ökumenischen Einheit aller Religionen und vom Eintritt des "nachchristlichen Zeitalters".

    Die evangelische Pfarrerin Jutta Reich brachte dies bei einer Buchbesprechung 1993 auf den Punkt, dass "die Stunde der Heimkehr der Menschen und ihrer Religionen zu dem Einen Gott gekommen ist." (Religionen im Gespräch, Band 3, S. 479).

    Die Perspektiven dieses Korrekturprozesses auf christlicher Seite sind atemberaubend. Zum ersten Mal seit 1400 Jahren besteht die Chance, dass sich das Jesus-Bild des Qur'an, das mit dem Jesusbild der Judenchristen identisch ist, bei den christlichen Massen durchsetzt. Dann hätte der Islam auf diesem wichtigen Sektor seine Mission erfüllt und der ökumenische Trialog hätte erstmals Chancen auch auf dogmatischem Gebiet; denn die Gottesnatur Jesu wäre dann nicht mehr das nichtnegotiable Tabu, von dem Hans Küng bisher ausging.

    Leider ist von dieser Entwicklung nicht zu erhoffen, dass die Christen der Sure An-Nasr gemäß nunmehr in Scharen zur Religion Allahs übertreten werden. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass der dogmatische Kollaps des Christentums die Entfremdung der Massen von den etablierten Religionsgesellschaften und die Selbstbedienung des emanzipierten Individuums im multi-religiösen Supermarkt noch intensivieren wird. "Hast du den gesehen, der seine eigene Neigung zum Gott nimmt..." fragt uns Allah hinsichtlich dieser Leute (45:23).

    Der Islam dürfte es also auch in Zukunft in Europa mit demjenigen Gemisch an Einstellungen zum Transzendenten zu tun haben, der schon die mekkanische Gesellschaft zur Zeit unseres Propheten (s) charakterisierte: (Neu-) Heiden, Agnostiker, Atheisten und (Neu-) Polytheisten, nämlich Leute, welche sich Nebengötter wie Sternzeichen, Rauschgift oder Claudia Schiffer zulegen.

    Doch auch dies steht in Allahs Hand, und Ihm sind wir ergeben, undzu Ihm ist unser aller Heimkehr.
    Quelle: Al-Islam Magazin, Autor: Murad Hofmann
  2. IslamIsLight
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    salam aleikum Bruder Ibn Azem
    Ich trying to revise mine Deutch :)

    Ich mag diesen Artikel. Ich versuchte, ein wenig zu verstehen, Spitze nicht Glück
    Do u haben die Artikel auf englisch
    Ich wünsche übersetze es in Russen InshaAllah

    jazakallah khair :)

    waaleikum salam
  3. Kandidatos
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    schön geschrieben jazakallah kahir
  4. HitMeOff
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    danke für die aufklärung.
  5. justoneofmillion
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    :salam2:haha ukhti aicha ,es ist gut zu wissen dass du deutsche sprechen kannst ,mashallah:lol:

    wassalaam
    jameel

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